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Leserbrief Matthias Ewen, Mitglied in unserer Facebook Gruppe L364n - der Junkerberg wird tiel zerschnitten


Sehr geehrte Entscheidungs- und Mandatsträger in der Kommunal- und Landespolitik,

heiß und kontrovers diskutiert wird zurzeit die Frage der Teilumgehung Hückelhovens durch die L364n.

Es gibt sicher gute Gründe, Teile des Verkehrs aus den Innenstädten verbannen zu wollen. Aber – und das sei vorweg angemerkt – löst ein Umleiten des Verkehrs nicht das eigentliche Verkehrsproblem. Auch wenn das teilweise suggeriert werden soll. Daher wäre selbst ein sofortiger Bau der gesamten Umgehung allenfalls eine Verlagerung des Problems. Zeitlich und örtlich. Leider - wiedermal – eine Verlagerung des Problems in die Verantwortung der nächsten Generation, die schon mehr genug Probleme von uns erben wird.

Welches ist der handfeste und tatsächliche Vorteil, wenn der nun beabsichtigte Abschnitt fertiggestellt ist? Autos von der A46 (AS Hückelhoven-Ost) kommend mit Ziel Hilfarth, Brachelen oder Lindern haben ganze 90 Sekunden länger als bisher freie Fahrt. Das ist die Zeit, die es geschätzt braucht, um die etwa zwei Streckenkilometer der Umgehung zurückzulegen. Diese freie Fahrt wird dann abrupt an der hoffnungslos verstopften Kreuzung an der Polizeiwache oder in Doveren enden. Weiter geht es dann in Schneckentempo. Wie bisher auch. Daran ändert der Straßenbau, wie er jetzt beabsichtigt ist, absolut nichts. Schon allein aufgrund ihrer Lange und Streckenführung wird die Achse Gladbacher Str. – Markt – Dinstühler Str. – Hilfarther Str. auch weiterhin „die“ Hauptverkehrsstraße in Hückelhoven und damit eine der verkehrsreichsten Straßen der Stadt bleiben. Mit oder ohne L364n.

Dieser minimale Bonus wird durch Zahlung von fast 20 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt teuer erkauft. Zu teuer, wenn man bedenkt: in NRW fehlen immer noch Tausende Lehrer. Es müssen wichtige Verkehrswege wie Rheinbrücken, Schienenwege und Autobahnen saniert werden. Viele Zehntausend Haushalte in NRW haben übrigens im 21. Jahrhundert (!) keinen elektrischen Strom mehr, weil die Bürger die Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können. Und das Land gibt für das Teilstück einer Ortsumgehung Hückelhoven solch horrende Geldsummen aus? In meinen Augen ein unglaublicher Vorgang.

Jetzt könnte man sagen, dass ja irgendwann mit Weiterbau dieser Straße auch um Hilfarth herum alles besser werden wird. Leider liegt dieser Zeitpunkt in ferner Zukunft und der Weiterbau ist auch aus vielen Sachgründen noch äußerst unsicher: von der Expertise vieler Gutachten, den Verhandlungen über Grundstücksverkäufe, dem Ausgang von Gerichtsverhandlungen, den politischen Mehrheiten und Arbeitsschwerpunkten in Hückelhoven und Düsseldorf und nicht zuletzt von der künftigen Haushaltslage des Landes wird es abhängen, ob der Weiterbau dieser Straße überhaupt jemals kommt. Das sind in meinen Augen deutlich zu viele Unwägbarkeiten, um heute 20 Millionen Euro an Steuergeld in eine Straße zu investieren, die sehr gute Chancen hat, als halbfertige Bauruine zu enden.

Den Gegnern des Baus der L364n wird vorgeworfen, ihren eigenen Vorteil über das Gemeinwohl zu stellen. Dient es tatsächlich dem Gemeinwohl, heute immense Schäden an Umwelt und Natur zu verursachen, um ein Problem halbgar und möglicherweise letztlich erfolglos zu lösen zu versuchen? Was wird denn jetzt von den 20 Millionen nicht erledigt, was dem Gemeinwohl vielleicht deutlich zuträglicher wäre?

Warum geht man nicht seriös hin und baut die komplette Umgehung dann, wenn auch alle Teilstücke fertig geplant und baureif sind? Warum entscheidet man nicht in 20 Jahren, ob die dann hier lebenden Menschen diese Straße überhaupt wollen? Die ursprüngliche Planung wäre dann mehr als 40 Jahre alt und möglicherweise vollkommen überholt. Leider scheint es Usus zu sein, erstmal drauflos zu bauen. Erstmal ein Teil machen, ob die anderen jemals kommen, wird man dann schon sehen. Autobahnbrücken im Wald, fernab jeder Autobahn, zeugen mancherorts von diesem Wahnsinn. Wer bezahlt das alles? Die Menschen in unserem Land! Die nächste Generation! Aber mitnichten die Politiker, die das durchgeboxt haben.

Auch der Umweltaspekt ist nicht zu verkennen. Mit der Zerteilung dieses Waldstücks würde eines der letzten zusammenhängenden Waldstücke in Hückelhoven dezimiert. Wir reden hier nicht von einer kleinen Schneise, wir sprechen von einem breiten Wall oder Graben, mit Böschungswinkel. Der Wald wie er heute existiert wäre danach weg, auch wenn auf dem Papier rein rechnerisch nur wenige Prozent der Fläche tatsächlich in Anspruch genommen würden und auch dann, wenn eine Wildbrücke beide Reststücke verbinden würde. Welches Wild soll diese Brücke denn dann bitte noch nutzen? Durch die weitere Ausdünnung des Baumstandes in Form einer Schneise wird dann der nächste Orkan das Zerstörungswerk vollenden. Weitere Flächen der Rurauen rund um Hilfarth fallen dann dem eventuellen Weiterbau der Straße zum Opfer und addieren sich zusammen mit den heute angerichteten Zerstörungen zu einem insgesamt massiven, unheilbaren Schaden an Natur und Lebensraum.

„Wir haben jetzt aber Geld und müssen darum bauen“ sollte nicht Entscheidungsgrundlage sein. Die Vorteile des kleinen Teilstücks von heute sind zu vernachlässigen, die Fortsetzung steht in den Sternen oder zumindest in sehr weiter Zukunft, die Umweltschäden sind massiv und ob die nächste Generation, in deren Verantwortung die endgültige Vollendung der Umgehung fallen wird, die Straße dann überhaupt noch will, ist offen.

Liebe Politiker: wir haben auch in NRW aktuell genug Probleme. Mit 20 Millionen Euro kann man was bewegen. Mehr als ein paar Autos in Hückelhoven von einem Dorfrand zum anderen!

Mit kritischen Grüßen

Matthias Ewen